Hier findest du im Frage-Antwort-Format eine Auswahl an Themen und Fähigkeiten, die mich im Leistungssport begleitet haben und die ich mir über die Jahre bewusst erarbeitet habe. Heute fließen diese Erfahrungen direkt in meine Arbeit als Psychologin und Coach ein.
Kontrolle?!
Was bedeutet das im Sport?
Im Beachvolleyball gibt es vieles, was außerhalb der eigenen Kontrolle liegt: der Schiedsrichter, das Publikum, der Gegner, das Wetter. Trotzdem zählt es am Ende, mit dem umzugehen, was gerade da ist und das Beste daraus zu machen.
Was habe ich daraus gelernt?
Fokus auf das, was ich beeinflussen kann, bringt Ruhe und Klarheit. Kontrolle beginnt im Inneren, bei der eigenen Haltung, Vorbereitung und Reaktion.
Entscheidungen treffen
Was bedeutet das im Sport?
Beachvolleyball ist wie “Schach unter Zeitdruck”. Du musst in Sekundenbruchteilen entscheiden: Wo stehe ich? Wohin spiele ich? Was macht mein Gegner? Wenn du zögerst, trifft er die Entscheidung für dich.
Was habe ich daraus gelernt?
Schnelle Entscheidungen brauchen Klarheit, Vertrauen in die eigene Intuition und die Fähigkeit, Fehler zu akzeptieren. Entscheiden heißt: Verantwortung übernehmen, auch wenn nicht alles perfekt ist.
Umgang mit Fehlern
Was bedeutet das im Sport?
Beachvolleyball ist eine Fehlersportart: Jeder Fehler ist direkt ein Punkt für den Gegner. Entweder du machst einen Punkt oder einen Fehler. Und direkt danach geht das Spiel weiter.
Was habe ich daraus gelernt?
Eine gute Fehlerkultur ist entscheidend, um nicht in eine Frustrationsspirale zu geraten. Fehler gehören dazu. Wichtig ist, wie schnell man sich davon löst und wieder handlungsfähig wird.
Umgang mit Rückschlägen
Was bedeutet das im Sport?
Verletzungen, Krankheiten, Turnierabsagen: In meiner Karriere musste ich mehrmals Wettkämpfe absagen, Pläne verschieben und teilweise von vorne anfangen. Dabei habe ich gelernt, langfristig zu denken und trotzdem flexibel zu bleiben. Langfristige Wettkampfzyklen über mehrere Jahre zu planen und gleichzeitig im Moment zu handeln war eine echte Herausforderung.
Was habe ich daraus gelernt?
Rückschläge gehören bei jeder Entwicklung dazu. Sie brauchen Geduld, Weitblick und die Fähigkeit, sich immer wieder neu auszurichten. Entwicklung ist selten linear und genau darin liegt ihre Stärke.
Umgang mit Selbstzweifeln
Was bedeutet das im Sport?
Das kleine Wörtchen „noch“ verändert alles! Aus „Ich kann das nicht“ wird „Ich kann das noch nicht“. Diese Perspektive hat mir im Sport unglaublich geholfen. Sie öffnet ganz neue Räume, schafft Entwicklungspotenzial und nimmt Druck.
Was habe ich daraus gelernt?
Selbstzweifel sind menschlich. Aber mit dem richtigen Mindset können sie zu Motoren für Wachstum werden. Das „noch“ ist dabei ein Schlüssel zu Lernbereitschaft und Zuversicht.
Angemessene Risikobereitschaft
Was bedeutet das im Sport?
In meinen letzten Jahren als Profisportlerin trug ich eine Kette mit der Gravur: „No risk, no story“. Sie hat mich daran erinnert, dass jeder Moment die Chance bietet, es besser zu machen als zuvor. Denn bei Spielbeginn steht es für beide Mannschaften 0:0 und nicht 0:3, wie es sich im Kopf manchmal anfühlt.
Was habe ich daraus gelernt?
Mut zum Risiko eröffnet neue Möglichkeiten. Wer sich traut, neu zu denken und neu zu starten, hat sogar die Chance sich selbst zu überraschen. Entscheidend ist dabei, dass das Risiko bewusst gewählt und zur Situation passend ist. Nicht blind, sondern mit klarem Blick.
Sicherheit & Vertrauen
Was bedeutet das im Sport?
Im Beachvolleyball gibt es den strategischen Angriff, bei dem man bewusst in den Block des Gegners schlägt, in dem Vertrauen, dass der Mitspieler den Ball absichert und daraus ein neuer Spielzug aufgebaut werden kann. Das funktioniert nur, wenn beide sich aufeinander verlassen können und sicher sind, dass der andere weiß, was er tut.
Was habe ich daraus gelernt?
Vertrauen ist die Basis für mutige Entscheidungen. Sicherheit entsteht, wenn Rollen klar sind und jeder weiß, worauf er sich verlassen kann, ohne dabei blind zu agieren, sondern mit einem gemeinsamen Verständnis.
Umgang mit Schwächen
Was bedeutet das im Sport?
Im Leistungskontext liegt der Fokus oft auf den eigenen Stärken. Ich habe zu Beginn meiner Karriere versucht, meine Persönlichkeitsanteile, die ich als hinderlich empfand, zu unterdrücken und sie nicht mit aufs Spielfeld zu nehmen. Das hat viel Energie gekostet und mir den Fokus genommen.
Was habe ich daraus gelernt?
Erst als ich gelernt habe, mit allen Anteilen, also auch mit meinen Schwächen, in den Wettkampf zu gehen, konnte ich mein volles Potenzial ausschöpfen. Echtheit schafft Stärke, nicht Perfektion.
Positive Selbstgespräche
Was bedeutet das im Sport?
Irgendwann in meiner Karriere hatte ich eine große Erkenntnis für mich. Ich stellte mir selbst die Frage, mit wem ich im Trainingsalltag und in Drucksituationen wie z. B. im Wettkampf am meisten spreche. War es der Trainer? Die Beachpartnerin? Die Sportpsychologin?
Meine Antwort fiel ganz anders aus: Mit mir selbst.
Was habe ich daraus gelernt?
Der innerer Monolog kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Worte wie „Ich kann das“ oder „Ich bleibe ruhig“ sind keine Floskeln, sondern mentale Werkzeuge. Positive Selbstgespräche stärken Fokus und Selbstvertrauen. Wer den inneren Schweinehund kennt und bewusst anspricht, kann ihn auch überwinden.
Feedbackkultur & Umgang mit Bewertung
Was bedeutet das im Sport?
Als Leistungssportlerin habe ich täglich Feedback bekommen: zur Technik, zur Taktik, zur körperlichen Fitness, zur mentalen Haltung etc. Gleichzeitig war es auch meine Aufgabe, meiner Beachpartnerin Rückmeldungen zu geben: zum Pass, zum Angriff, zur Kommunikation, zur Taktik etc. Feedback war der tagtägliche Begleiter und keinesfalls die Ausnahme. Und im Wettkampf kam die zusätzliche Anspannungssituation dazu.
Was habe ich daraus gelernt?
Bewertung & eine richtige Feedbackkultur gehören zum Wachstum dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht: offen, reflektiert und mit dem Ziel, sich weiterzuentwickeln. Aber auch Feedback geben muss geübt werden. Gerade unter Druck braucht es klare Regeln und Routinen.
Vision & Motivation
Was bedeutet das im Sport?
In meinen Teams ging es immer darum, eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Ein gemeinsames Ziel, das alle mittragen und das jeden Einzelnen motiviert, täglich an die eigene Leistungsgrenze zu gehen. Durch diese Vision bekamen wir Spielerinnen, aber auch unsere Trainer:innen eine klare Orientierung. Wir fühlten uns durch das gemeinsame Ziel verbunden und motiviert.
Was habe ich daraus gelernt?
Motivation entsteht nicht nur aus dem Wunsch zu gewinnen, sondern aus dem Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Darüber hinaus kann Motivation nur bis zu einem gewissen Teil von Außen erzwungen werden. Intrinsische Motivation, geschaffen durch eine klare Vision ist wie ein innerer Kompass: sie leitet dich auf dem Weg und hilft, auch in schwierigen Phasen einen klaren Weg zu verfolgen.
Visualisierung & Routinen
Was bedeutet das im Sport?
Vor Wettkämpfen bin ich meine Techniken im Kopf durchgegangen und habe meinen Tag durch feste Routinen strukturiert. Jede Entscheidung, die ich im Vorfeld nicht treffen musste, hat mir mentale Kapazität im Wettkampf geschenkt.
Was habe ich daraus gelernt?
Visualisierung schafft Sicherheit. Routinen geben Struktur. Beides hilft, den Fokus zu halten und Energie dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird.
Effektive Kommunikation
Was bedeutet das im Sport?
Im Beachvolleyball sind Auszeiten gerade mal 30 Sekunden lang. In dieser kurzen Zeit muss klar werden: Was läuft gerade schief? Was muss sich ändern? Welche Strategie verfolgen wir als Nächstes? Effektive und zielgerichtete Kommunikation ist hier kein “nice-to-have”, sondern entscheidet über Sieg oder Niederlage. Es geht um Klarheit, Tempo und Vertrauen.
Was habe ich daraus gelernt?
Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Emotionen zu regulieren und in kürzester Zeit gemeinsame Lösungen zu finden. Kommunikation ist nicht nur das, was gesagt wird, sondern auch, wie es gesagt wird und ob es ankommt.